concerts of L14,16

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WOM 04/07

Wenn Jazzmusiker als Bandnamen eine kryptische Zahlenkombination wählen, dann vermutlich, weil es sich dabei um eine besonders ausgefuchste Harmoniekombination handelt. Pustekuchen: L 14,16 hieß ein Mannheimer Bistro, in dem dieses clevere Quintett gern einkehrte. So einfach ist das. Direkt, kraftvoll, impulsiv, ohne großen theoretischen Überbau, aber klar strukturiert klingt folgerichtig auch der ideologiefrei und akustisch gespielte Hardbop dieser jungen, mit Musikpreisen überhäuften Band. Die Fünf schaffen es sogar dem überspielten Klassiker "Sidewinder" von Horace Silver neues Leben einzuhauchen.

Autor: Bernd Schwope

Rheinpfalz 04/07

... "phlogistone" ist eine hypothetische Substanz, von der die Alchimisten des 17./18 Jahrhunderts glaubten, dass sie allen brennbaren Körpern bei der Verbrennung entweicht. In Anlehnung an diesen Begriff nannte "L 14,16" ihre neuste CD "Phlogistone". Die Titel daraus stellte das Mannheimer Quintett nun beim jüngsten IG-Jazz-Auftritt in der Mannheimer Klapsmühl am Rathaus live vor. "Phlogistone": Ein guter Titel für eine heiße Scheibe. Wenn auch der theoretische Glaube an diese Substanz längst überholt ist, so kann man doch im Spiel dieses Quintetts sehr wohl spüren, dass hier geheimnisvolle Kräfte entweichen in dem Feuer dieses Spiels. Wenn der Trompeter Axel Schlosser und der Tenorsaxophonist Steffen Weber die Themen zu Beginn in zweistimmigem Spiel intonieren, angetrieben von der mächtig losgehenden Rhythmusgruppe, dann sprüht hier weit mehr als nur Feuer. Das tut es erst recht dann, wenn sich die beiden Bläser in den weiterführenden Improvisationen verzweigen, ihre sonoren Linien aneinander reiben. Als reine Hardbop-Band möchte das Mannheimer Quintett nicht mehr gelten. Drum schlagen die Musiker auch modernere Töne an auf der neuen CD. Knallige Funk-Rhythmen sind bisweilen darauf ebenso zu finden wie wieder hip gewordene Twist-Rhythmen, hibbelige Ragtime-Anklänge oder hochvitaler Latin. Und freilich darf auch die Ursuppe des Blues nicht fehlen. Dies alles ist in einer urgesunden Bop-Basis bestens verankert. Starke Eigenkompositionen füllen die CD neben Standards wie "What is this thing called love", oder Lee Morgans "Sidewinder", beide in ganz erfrischenden Arrangements. Die Musik der Scheibe ist ebenso stilvoll und elegant wie sie die Energie und Spontaneität des Spiels ungefiltert rüberbringt. Und die Live-Präsentation der CD brachte erst recht Dampf in die Titel. Ungemein druckvoll ließ Axel Schlosser seine Trompete bis in die höchsten Lagen losstürmen, growlte mit Lippenspannung, was das Zeug hielt, immer mit großer eloquenter Kraft. Wenn Steffen Weber den Chorus übernahm, wurde es meist lyrisch. Eine große Abgeklärtheit hat sein Spiel gewonnen: hochinspiriert und ausgeruht formte er seine Soli, ungemein farbenreich und samtig warm timbriert. Und selbst aus dem Lyrischen heraus schickt er energiereiche Ströme aus seinem Horn auf große Fahrt. Der Pianist Rainer Böhm, stilistisch mit allen Wassern gewaschen, geriet bei seinen Soli aus den rasantesten Bebop-Läufen auch mal in furios aufgerüttelte Latin-Passagen. Immer wieder schraubte er sich hinein in ekstatisch vorangetriebene Verdichtungen, Tempobeschleunigungen, rasende Exzesse. Und dass diese Musik immer so mächtig groovt oder tanzt, sind Arne Huber am Kontrabass und der facettenreich trommelnde Lars Binder am Schlagzeug genau die richtigen Leute. Tempo und Rhythmus hielten sie wunderbar elastisch, beweglich, wandlungsreich. Eine klasse Basis, um neben dem spielerischen Feuer noch geheime Substanzen im Quintettspiel entweichen zu lassen.

CD-Tipp: L14,16: "phlogistone" (Nagel Heyer Records)

Mannheimer Morgen 04/07

... Die Musik von Axel Schlosser (Trompete, Flügelhorn), Steffen Weber (Tenorsaxofon), Rainer Böhm (Piano), Arne Huber (Bass) und Lars Binder (Schlagzeug) brodelt nur so vor Energie und Feuer, ist erfüllt von der fiebrigen Nervosität kreativen Forscherdrangs...

...mit polyrhythmischen Anreicherungen, komplexen Melodieverläufen, kollektiven Interaktionsfreiräumen und rasanten Stimmungswechseln. Tempo und Verdichtung prägen diese Musik, die damit durchaus sinnfällig die Zeit von heute reflektiert...

...Jeder der Musiker ist nun noch um vieles besser geworden...

...Keine Frage: Mannheims amerikanischste Jazz- Combo ist auf dem besten Weg zum nächsten Schallplattenpreis.

Jazzpodium 04/07

...Mit einem vollen, energiegeladenen und auf den Punkt gespielten Sound präsentieren L14,16 ihr zweites Album "phlogistone"...Der komplexe Gruppensound mit einer filigranen Rhythmusgruppe und einem zupackenden Bläsersatz sind die Kennzeichen des Quintetts...Das kraftvolle Kollektiv formuliert eine Mischung aus Aggressivität und sensibler Melancholie... Die neun Eigenkompositionen und drei überarbeiteten Klassiker auf "phlogistone" sprühen vor Energie und Variantenreichtum...Ein klares Gesamtwerk, das Spaß auf ein Live-Konzert macht...

Audio 04/07

...So macht akustischer Jazz Spaß!...Das Quintett wuselt mit einer Fülle von Rhythmuswechseln und brillanten Soli durch eigene Stücke und Standards...

BR-Klassik 03/07

Dass sich ein Jazzmusiker am Besten mit einem Bein in der Vergangenheit und einem in der Zukunft positionieren solle, meinte schon Dizzy Gillespie, und mit dieser Maxime ist er ja in seiner Zeit auch zu einem wichtigen Motor in der Entwicklung des Jazz geworden - einer Entwicklung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Dafür sorgen auch immer mehr junge, deutsche Bands und Musiker, die sich auf die stilistischen Vorgaben der Jazztradition und ihrer Strömungen wie Bebop, Hard Bop, Hot oder Cool Jazz beziehen, und zugleich neue Verschmelzungsprozesse im mittlerweile so weit gefassten Genre Jazz in Gang bringen, indem sie ihre eigene musikalische Sozialisation ins Spiel bringen. Zu dieser können neben einem gründlichen Studium des Jazzidioms auch eine klassische Ausbildung und eine Affinität zu Pop-, Funk- und allen Arten von moderne Musik gehören.

Die Musiker des Quintetts L14, 16 aus Mannheim, die sich mit ihrem etwas sperrigen Bandnamen übrigens auf die Adresse ihrer Lieblingskneipe aus Studienzeiten beziehen - in Mannheim gibt es ja, ans amerikanische System angelehnt, statt Straßennamen Blockbezeichnungen - bleiben in ihren Kompositionen zwar sehr deutlich dem Jazz der 50er- und 60er-Jahre verbunden, doch ihr immenser Ideenreichtum, was die Neuanordnung des überlieferten Jazzvokabulars angeht, lassen ihr neues Album "Phlogistone" ausgesprochen gegenwärtig klingen.

Mit viel spielerischem Feuer und einer gehörigen Portion Raffinement in ihren Arrangements schüren der Saxophonist Steffen Weber, der Trompeter Axel Schlosser, der Pianist Rainer Böhm, der Bassist Arne Huber und der Schlagzeuger Lars Binder die Flamme des Jazz hoch. Über den Grad der Hitze, den sie dabei zu entfachen in der Lage sind, scheinen sich die fünf Musiker um die 30 bewusst zu sein, denn der griechische Begriff "Phlogiston", dessen englische Form sie als CD-Titel gewählt haben, steht nach einer Theorie des 18. Jahrhunderts für einen Stoff, der allen brennbaren Körpern beim Verbrennungsvorgang entweichen sollte.

Mit Hilfe griffiger Post-Bebop-Phrasen, die sie mit ausgeklügelten metrischen Vexierspielen unterlegen, überhaupt mit ihrem gesamten komplexen Rhythmuskonzept, das sie vom subtil dringlichen Pulsieren bis hin zur kunstvoll verzahnten Polyrhythmik gestalten, und einem ausgeprägten Gespür für Dynamik, spannende Kontraste und unerwartete Stimmungswechsel vom melancholischen bis zum burlesken Tonfall, sorgen die fünf Absolventen der Musikhochschule in Mannheim bei ihren Auftritten und nun auch auf ihrer zweiten CD dafür, dass - wie man so schön sagt - "die Luft brennt". Ein sinnlich-intellektuelles Hörvergnügen, dass sich vor allen Dingen dann erschließt, wenn man mit gespitzten Ohren hinhört.

Beate Sampson, Bayern 4 Klassik

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